Montag, Oktober 21, 2019

Kurz und knapp – Was ist Tron?

 

Tron ist ein nicht-kommerzielles Projekt, welches im September 2017 in Singapur gegründet wurde und sich erfolgreich über ein ICO finanziert hat, bei dem ein Gegenwert von 70 Millionen Dollar eingenommen wurde.

 

Tron hat es sich zum Ziel gesetzt, ein weltweites, kostenloses Content-Entertainment-System zu entwickeln, dessen Inhalte dezentral und autonom auf der Ethereum-Blockchain gespeichert werden können. Es soll sowohl Social Media Kanäle und Videos ermöglichen, als auch die Erstellung von eigenen Token, die von privaten Nutzern individuell konzipiert und an andere Nutzer des Tron-Netzwerks in Form eines persönlichen ICOs verteilt werden können.

 

Das übergeordnete, selbsterklärte Ziel von Tron ist es, die etablierten großen Unternehmen, wie Facebook, Amazon oder Google, die das Internet durch ihre Monopolstellungen zentralisiert haben, vom Thron zu stoßen. Tron will laut eigener Aussage ein erneuertes, dezentrales Web 4.0 etablieren.

 

Ihr Slogan ist dabei ganz passend: „Make the Web decentralized again“

 

Zahlen und Fakten zu Tron

 

Sitz: Singapur

 

Validierung: Proof of stake

 

Token: Tronix (TRX)

Läuft auf der Ethereum-Blockchain

 

Tokenfähigkeit:

  • Soll als Zahlungsmittel innerhalb des Tron-Netzwerks dienen und auch zur Bewertung der Qualität von hochgeladenen Inhalten.
  • Eingefrorene Token dienen zur Validierung der Transaktionen und geben Besitzern Stimmrecht in Form von Privilegien innerhalb des Netzwerks und einer Ausschüttung von weiteren TRX-Token.

 

Maximalle Anzahl: 100 Milliarden

 

Derzeit im Umlauf: ca. 65 Milliarden

 

Gelistet: Der Token ist weit verbreitet und auf den meisten der größten Exchanges und vielen kleineren Börsen gelistet.

Tron im Detail

 

Tron bemerkt im Whitepaper, dass das Internet als solches seinen ursprünglichen Sinn verloren hat und nicht mehr dezentral ist. Die Schuld sieht man dafür bei großen Konzernen, die mit Amazon, Google, Apple und Facebook auch namentlich genannt werden (sowie deren nationale Pendants in China, das in dieser Hinsicht ja relativ abgeschottet ist und daher eigene Versionen dieser Firmen hat).

 

Die genannten Konzerne besitzen die Daten der Nutzer und können dadurch die Inhalte des Webs und deren Verbreitung laut Meinung des Tron-Teams zu großen Teilen kontrollieren. Es ist zwar immer noch möglich, eigene Inhalte und Websites zu erstellen, die Konzerne haben jedoch die Macht, diese Daten zu löschen oder deren Verbreitung einzuschränken.

 

Durch das Tron-Netzwerk soll dies wieder geändert werden und möglich gemacht werden, dass Nutzer wieder selbst die Entscheidung treffen können, ob sie Inhalte lesen und darauf zugreifen wollen und dass diese Informationen auf freiwilliger Basis und nach freiem Ermessen verteilt werden.

 

Tron soll daher ein dezentrales Unterhaltungs-Netzwerk werden, dass alle Möglichkeiten der etablierten Unternehmen auch anbietet, nur ohne Drittanbieter, der die Daten verwaltet. Stattdessen interagieren Anbieter von Inhalten und deren Nutzer direkt (peer to peer) miteinander. Von der Community als gut bewertete Inhalte sollen desweiteren mit einem angemessenen Bezahlsystem belohnt werden. Für die Plattform wurde dafür eine eigene Währung konzipiert, der TRX-Token.

 

Durch ein so geschaffenes, dezentrales und automatisch ablaufendes Wirtschaftssystem sollen die Content-Anbieter nicht wie beispielsweise bei Youtube von einem Drittanbieter bezahlt werden und von deren Profitsystem abhängig sein, sondern sie werden automatisch durch das System anhand von Algorithmen bezahlt. Der Zugriff auf Inhalte kann durch die Zahlung mit dem TRX-Token gemessen werden, und die Zahlung und der Kauf basieren auf den transparenten Datensätzen der Blockchain. Dadurch kann die Qualität des Inhalts bewertet werden und dementsprechend steigt auch seine Reichweite.

 

Tronix Token (TRX)

 

Der TRX-Token ist die Währung innerhalb der Tron-Plattform, mit der man Inhalte nutzen kann. Die Währung dient auch zur Messung der Qualität und damit zur Generierung der Reichweite der hochgeladenen Inhalte.

 

Tronpower (TP)

 

Transaktionen innerhalb des Tron-Netzwerkes sollen über das Proof of Stake Verfahren verifiziert werden. Der Anreiz für Nutzer, ihre Tokens für die Verifizierung bereitzustellen und einzufrieren, ist eine Belohnung in Form von Stimmrecht, die dem Nutzer Privilegien innerhalb der Plattform einräumt (was das genau für Privilegien sein werden, ist bisher nicht ersichtlich). Dieses Stimmrecht wird als Tronpower bezeichnet. TP gewährt dem Nutzer bei längerer Bereitstellung seiner Tokens eine Ausschüttung in Form weiterer TRX-Tokens als weitere Belohung und als Anreiz, das System am Leben zu erhalten. Tronpower wird nicht übertragbar und damit auch nicht handelbar sein.

 

Custom-Tokens

 

Tron will es seinen Benutzern ermöglichen, eigene Tokens zu erstellen und diese per ICO auszugeben. Tokenisierung ist eine Methode zur Definition von Werten in einer Blockchain und wird zum Benchmarking von finanziellen oder digitalen Assets verwendet. Tron will dabei einen eigenen Standard anbieten, den Tron20 Standard, angelehnt an das ERC20 Tokensystem der Ethereum-Blockchain.

 

Roadmap

 

Die Roadmap ist über einen Zeitraum von 8 bis 10 Jahren angelegt, was für ein Blockchain-Projekt ein ungewöhnlich langer Zeitraum ist.

 

  • In Phase 1 soll die Plattform veröffentlicht werden und eine dezentralle Speicherung und Verbreitung von Daten ermöglichen.
  • In Phase 2 soll ein wettbewerbsfähiger Wirtschaftsmechanismus mit einem fairen Bezahlsystem etabliert werden.
  • In Phase 3 soll der dezentrale und autonome Aufbau von Online-Gaming-Plattformen fü Entwickler ermöglicht werden.
  • In Phase 4 soll die Möglichkeit entwickelt werden, eine eigene Online-Gaming-Plattform zu errichten, die über ein Crowdfunding finanziert werden kann und Investoren die Möglichkeit haben, selbst aktiv an der Plattform mitzugestalten.

 

Der CEO – Justin Sun

 

Der CEO des Projektes, Justin Sun, ist sehr bekannt in der Fintech-Szene, und war unter anderem der Hauptvertreter für die Kryptowährung Ripple in China. Er wurde im Jahr 2017 vom Forbes Magazin zu den „Top 30 unter 30“ Unternehmern gelistet. Er ist Gründer der App Peiwo, dass man als chinesisches Instagram betrachten kann. Die App hat ca. 10 Millionen Nutzer.

Desweiteren ist er eng mit dem Gründer von Alibaba, Jack Ma, befreundet, einem der erfolgreichsten Unternehmer im Web-Bereich weltweit, der vor allem im asiatischen Markt mit seinem Unternehmen sehr erfolgreich ist.

 

Was bietet Tron für Möglichkeiten?

 

Das Ziel des Tron-Projektes ist ein sehr nobles, denn es will das Internet als Ganzes wieder dezentraler machen und die Monopolstellungen der etablierten Firmengiganten Google, Facebook und Co. brechen. Das ist grundsätzlich ersteinmal ein unterstützenswertes Ziel, den wo dies vorher unmöglich erschien, bietet Blockchain als Technologie mittlerweile eine realistische Möglichkeit so etwas zu vollbringen.

 

Vor allem für Content-Anbieter würde die Tron-Plattform einige Vorteile bieten, da eventuelle Gebühren und auch Rechte-Abgaben von erstellten und verbreiteten Inhalten egal welcher Art wegfallen würden (bis auf die Transaktionsgebühren). Es wäre ein komplett freies und eigenständiges Verwalten und auch Handeln von Daten möglich.

 

Auch für Nutzer würde es einen großen Vorteil geben, da die verfügbaren Inhalte nicht mehr nach den Algorithmen und Besitmmungen beispielsweise von Youtube oder Facebook angezeigt werden würden (die ja profitorientiert und nicht immer im Interesse des Konsumenten sind), sondern die Inhalte würden rein nach der gemessenen Qualität bewertet, die durch die reine Nutzung bemessen werden würde.

 

Es wurde angekündigt, dass im Zeitraum von April bis Juli 2018 die Peiwo-App in das Tron-System integriert werden soll, was potentiell 10 Millionen neue Nutzer bringen würde. Damit hätte das Projekt bereits eine große Anzahl an aktiven Nutzern.

 

Was sind die Risiken?

 

So gut das Projekt auf den ersten Blick auch aussieht – die Risiken, bzw. die negativen Aspekte sind leider zahlreich.

 

Das erste Risiko ist die hohe Zielsetzung an sich. Tron will laut eigener Aussage allen großen Web-Unternehmen den Kampf ansagen und eine mindestens gleichwertige, wenn nicht bessere Alternative bieten, die alle Vorteile der dezentralen Beschaffenheit einer Blockchain bietet. In der Theorie eine sehr gute Idee, in der Praxis aber schwer umzusetzen. Es gibt außerdem zahlreiche andere Projekte und Firmen innerhalb der Blockchain-Szene, die ähnliche Dinge vorhaben, sich aber auf Teilbereiche spezialisieren. Zum Beispiel gibt es mit Steemit und Dtube bereits eine funktionierende Alternative zu Youtube, die ein änhliches Konzept zur Bewertung und Monetarisierung der hochgeladenen Inhalte umgesetzt hat, wie es von Tron geplant ist.

 

Auch die Umsetzung der Plattform über ein ERC20 Token ist fragwürdig, da der Gedanke aufkommt, dass alles was das Tron-Projekt sich vorgenommen hat, auch einfach über die Ethereum-Blockchain realisiert werden könnte (und durch andere Firmen ja auch teilweise tatsächlich versucht wird).

 

Im Januar wurde der Token zudem seitens des CEO Sun via Twitter massiv gepumped, unter anderem mit Ankündigungen von Partnerschaften und dem Anwerben von einigen hochqualifizierten Mitarbeitern von Alibaba. Auch seine Freundschaft mit dem Alibaba CEO, Jack Ma, sorgte bereits für einige Gerüchte über eine mögliche Cooperation mit dem Megakonzern. Das wäre ja eigentlich keine schlechte Nachricht, sie wurde aber bisher nicht bestätigt. Im Januar kam es aufgrund dieser Faktoren zur einer kurzeitigen Preisexplosion von ca. 3 Cent auf über 20 Cent. Mittlerweile (Stand März 2018) hat er sich wieder seinem vorherigen Preis angenähert. Justin Sun wird vorgeworfen, sich zu sehr auf das Marketing zu konzentrieren und den eigentlichen Fortschritt des Projektes dafür hinten an zu stellen.

 

Ein weiterer massiver Kritikpunkt ist der Vorwurf des Plagiats des Tron-Whitepapers. Am 7. Januar postete Juan Benet, der Gründer von Protocol Labs, einen Tweet, in dem er auf weite Passagen des Whitepapers aufmerksam machte, die anscheinend aus dem IPFS- und Filecoin-Whitepaper kopiert worden sind.

 

 

Sun reagierte in einer Stellungnahme darauf und erklärte es damit, dass das chinesische Original des Whitepapers von Freiwilligen ins englische übersetzt worden ist und dabei einige wichtige Passagen, unter anderem auch Quellennachweise, weggelassen wurden. Ein sehr kritischer Punkt ist jedoch, dass das Whitepaper mittlerweile von der Website entfernt wurde und nur noch über Drittquellen auffindbar ist.

 

Auch die sehr ambitionierte Roadmap, die sich über mehrere Jahre erstreckt, ist, verglichen mit der eher schlichten Website und dem sehr allgemeingehaltenen Whitepaper (mit zusätzlichem Verdacht auf Plagiate) leider etwas unglaubwürdig.

 

Meine Meinung

 

Die Grundidee von Tron ist sehr lobenswert und auch, dass das Projekt ein non-profit Projekt ist, würde ich als positiven Aspekt verbuchen. Auch der CEO ist etabliert und hat sich druch seine Erfolge in der Vergangenheit verdient gemacht.

 

Jedoch gibt es, wie oben aufgeführt, sehr viele negative Aspekte, die bei mir ernste Zweifel an der Realisierbarkeit und dem potentiellen Erfolg des Projektes geweckt haben. Ich würde das Projekt nicht vollkommen abschreiben, werde zum jetzigen Zeitpunkt aber definitiv nicht investieren (und habe es auch vorher nicht). Ich persönlich werde das Projekt weiter beobachten und sehen, wie es sich entwickelt.

 

Genrelle Informationen zum Projekt findest du auf der Website: tron.network

 

Das Whitepaper findest du auf englisch hier.

 

Eine (grobe) deutsche Übersetzung findest du hier.

 

Anmerkung:

 

Die Informationen, die in diesem Beitrag stehen, sind anhand meiner Recherche und meines Verständnisses der Firmenidee entstanden. Ich kann nicht hundertprozentig versichern, dass ich das Firmenkonzept im kleinsten Detail verstanden habe und kann daher auch nicht versichern, dass die von mir gemachten Erklärungen komplett richtig sind. Ich kann jedoch versichern, dass ich meine Recherche nach bestem Wissen und Gewissen betrieben habe und mir sehr viele verschiedene, auch möglichst negative, Meinungen zu diesem Projekt angesehen habe, um eine differenzierte Meinung über das Projekt zu erhalten. Ich gebe generell keine Investmentempfehlung. Solltet ihr in Erwägung ziehen, in dieses Projekt zu investieren, nehmt diesen Artikel gerne als Anhaltspunkt, um euch eine Meinung zu bilden, schaut euch jedoch auch genau die Firma an, lest das Whitepaper und holt euch so viele verschiedene Meinungen wie möglich ein, auch bei anderen Medien. lest euch gerne auch noch einmal meine generellen Investment-Regeln durch.

Der Autor dieses Blogs.

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