Montag, Oktober 21, 2019

Bitcoin, Bitcoin, Bitcoin. In den Medien ist dieser Begriff zur Zeit das Schlagwort schlechthin. Die an eine rasante Achterbahnfahrt erinnernden Kursschwankungen sind ein Quell der Inspiration für diverse Wirtschafts- und Nachrichtenseiten für immer neue, beängstigende Beiträge zum totalen Vermögensverlust aller, die so hirnrissig waren in diesen hoch-volatilen Markt einzusteigen. Dem gegenübergestellt stehen einige digitale Experten und private Anleger, die aufgrund ihrer Einstellung teilweise an eine geradezu religiös anmutende Glaubensgemeinschaft erinnern und den Bitcoin als neue, zukunftweisende Technologie lobpreisen und ihn als Vorreiter einer neuen, bankenlosen Welt sehen, die die Armen reich macht und die oberen Zehntausend in ihren wohlverdienten Abgrund wirft. So viel zur derzeitigen Wahrnehmung der Kryptowährung in den Medien. Aber was ist eigentlich Bitcoin?

Ungefähr im Jahr 2008 wurde die Welt durch eine globale Finanzkrise erschüttert und viele Leute verloren das Vertrauen in das System der Banken. Stimmen nach einer besseren Alternative wurden laut. Genau zu dieser Zeit wurde die Idee der ersten Kryptowährung geboren. Das White Paper des Bitcoin erschien im Jahr 2008 und wurde von dem Pseudonym Satoshi Nakamoto veröffentlicht. Wer sich dahinter verbirgt, ist bis heute unbekannt, es gibt jedoch einige Theorien. Eine These ist, das eine Gruppe von Wissenschaftlern und Programmierern dahinter steckt, die ihre neue Technologie als Alternative zum bisherigen System in die Welt entlassen haben. Es gibt jedoch auch wilde Gerüchte, dass der Bitcoin ein lang gehegter Plan des FBI ist und bereits in den 90er Jahren entwickelt wurde. Es gibt also eine Menge Interpretationsspielraum.

Was ist Bitcoin?

 

Der Bitcoin ist eine digitale Geldeinheit in einem dezentralen Zahlungssystem, welches weltweit nutzbar ist. Die Technologie hinter dem System ist die Blockchain. Das Zahlen mit Bitcoins läuft in diesem System peer to peer, also von Person zu Person ab, ganz ohne Banken. Gelagert werden Bitcoins in digitalen Geldbörsen und die Zustände der Geldbörsen aller Bitcoin-Nutzer, also wer wie viele Bitcoins hat, werden in der Blockchain dezentral gespeichert.

Der Programmier-Code von Bitcoin ist Open Source, also von jedem einsehbar, der Interesse daran hat. Der Code legt fest, dass die maximale Anzahl an Bitcoins, die jemals generiert werden kann, bei 21 Millionen liegt. Generiert werden neue Bitcoins von sogenannten Minern. Wie das im Detail funktioniert, kannst du hier nachlesen.

Beim Mining eines neuen Blocks in der Blockchain wird jedes Mal eine festgelegte Anzahl an Bitcoins generiert. Am Anfang waren das 50 Bitcoins. Alle 210.000 Blöcke wird diese Zahl halbiert. Momentan (Anfang 2018) werden pro Block 12,5 neue Bitcoins erzeugt. Die Erzeugung eines neuen Blocks dauert in etwa 10 Minuten, das hießt, dass sich die Menge der neu erzeugten Bitcoins pro Block etwa alle vier Jahre halbiert und ungefähr im Jahr 2140 der letzte Bitcoin erzeugt sein wird.

Das die Erzeugung eines neuen Blocks etwa 10 Minuten in Anspruch nimmt, ist durch den Code festgelegt. Für die Erzeugung wird Rechenleistung der Teilnehmer des Netzwerkes benötigt, da sie eine mathematische Aufgabe lösen müssen, um einen neuen Block zu erstellen. Da mit zunehmender Teilnehmerzahl auch mehr verfügbare Rechenleistung in das Netzwerk hineinkommt, wird der Schwierigkeitsgrad der Aufgabe zur Erzeugung eines neuen Blocks regelmäßig angepasst, um die Erzeugungszeit von 10 Minuten möglichst konstant zu halten. Das heißt damit auch, dass die Stromkosten für die Erzeugung eines neuen Blocks mit zunehmender Größe des Netzwerks immer höher werden.

Was bietet Bitcoin, dass normales Geld nicht bietet?

  • Bitcoin kann nicht beliebig vermehrt werden. Das dezentrale System überwacht sich selbst und verhindert, dass einzelne Teilnehmer sich Bitcoins kopieren, Transaktionen fälschen und so weiter. Der System-Code gibt eine maximale Menge an Bitcoins an. Zum Vergleich: Beispielsweise die Europäische Zentralbank kann theoretisch immer weiter Euros in den Markt pumpen, ohne Limit. Von dieser Möglichkeit hat sie in den Jahren nach der Finanzkrise auch ausgiebig Gebrauch gemacht.
  • Besitzer von Bitcoins können nicht enteignet werden. Die Bitcoins werden in einer digitalen Geldbörse gelagert und nur man selbst hat durch seinen Private Key Zugriff auf diese. Solange niemand anderes diesen Key kennt, kann er auch nicht an die Bitcoins ran. Man ist also selbst im Besitz seines Vermögens. Zum Vergleich: Bei einer Staatspleite kann die Regierung Konten einfrieren und ein tägliches Abhebungslimit auf sehr niedrigem Niveau bestimmen. Man siehe beispielsweise was in den letzten Jahren in Griechenland vorgeht. Auch wenn die eigene Bank, bei der man Kunde ist, pleite geht, schaut man fürs erste in die Röhre. Bitcoins gehören nur einem selbst.
  • Bitcoins laufen auf einem dezentralen System ohne Einschränkungen. Man muss keiner dritten Partei vertrauen, wie beispielsweise einer Bank, wenn man Währungen von A nach B überweisen will. In der Bitcoin-Blockchain findet das direkt zwischen beiden Parteien statt und das gesamte System überwacht und kontrolliert die Transaktion. Man muss niemandem vertrauen, das System misstraut sich selbst und überprüft alles doppelt und dreifach. Dadurch, dass das System alle Teilnehmer miteinander vernetzt, ist es weltweit ohne Einschränkungen nutzbar und man muss immer dieselben Transaktionsgebühren zahlen, egal wohin man Bitcoins schicken will. Desweiteren findet die Transaktion wesentlich schneller statt, als eine Banküberweisung.
  • Das Bitcoin-System schützt die Privatsphäre. Die Bitcoin-Menge eines jeden Teilnehmers ist öffentlich einseh- und damit überprüfbar, das stimmt. Aber die Adresse der digitalen Geldbörse ist nicht mit Namen und Anschrift versehen, sondern sieht beispielsweise so aus: 0x3h3f38g7f2gfifgi23g. Die Person, die dahinter steckt, bleibt also im Verborgenen.

Was sind die Nachteile von Bitcoin?

  • Bitcointransaktionen sind langsam. Im Vergleich zu einer Banküberweisung mag eine Bitcoin-Transaktion sehr schnell sein, aber wie sieht es im täglichen Geschäft aus? Wenn man tatsächlich einmal den Supermarkteinkauf mit Bitcoin bezahlen will? Bis eine Transaktion bestätigt und komplett verifiziert ist, dauert es momentan in der Regel bis zu 60 Minuten oder länger, da eine Transaktion erst als unveränderbar abgespeichert gilt, wenn 3 bis 4 Blöcke über dem Block liegen, der die Transaktion enthält. Und da die Erzeugung eines Blocks 10 Minuten dauert, dauert auch die Verifizierung entsprechend lange. Lösungsansätze gibt es bereits, sind aber noch nicht in das Netzwerk integriert (Stichwort: Lightning).
  • Durch die Anonymität werden Bitcoins für illegale Transaktionen genutzt. Drogenkäufe im Dark Web, oder Geldwäsche gehören leider auch zum Alltag der Bitcoin-Nutzung. Allerdings kann man sich beispielsweise auch mit Bargeld bei einem Dealer unerkannt Drogen kaufen.
  • Bitcoins schützen die Privatsphäre – bis man die Adresse mit der Person in Verbindung gebracht hat. Sobald man einmal herausgefunden hat, wer hinter einer Adresse steckt, weiß man den kompletten Zahlungsverkehr und Kontostand dieser Person.
  • Der Bitcoin-Markt ist sehr volatil. Die enormen Preisschwankungen des Bitcoin erschweren es, diese Währung tatsächlich als Währung zu benutzen, da man sich ungern von etwas trennen will, das morgen bereits doppelt so viel wert sein könnte, andererseits kann es aber auch irgendwann gar nichts mehr wert sein.
  • Ist der Key weg, dann ist er weg. Jeder ist selbst im Besitz seiner Bitcoins und muss sich dementsprechend auch selbst um sie kümmern. Wenn man den Private Key für seine digitale Geldbörse verlieren sollte, dann hat man schlicht und einfach Pech gehabt und die darauf befindlichen Bitcoins sind für immer verloren.
  • Eine maximale Obergrenze kann durchaus ein Nachteil sein. Viele wirtschaftliche Konzepte besagen, dass eine leichte Inflation gut ist und nur so ein Finanzfluss, der für die Ökonomie wichtig ist, gewährleistet werden kann. Ob das ein unveränderbarer Fakt ist, oder überhaupt komplett richtig, sei einmal dahingestellt. Jedoch darf man eine mögliche Gefahr der Deflation im Bezug auf den Bitcoin bei seiner persönlichen Bewertung nicht außer Acht lassen. Ein weiteres Problem ist, dass durch die Beschaffenheit des Bitcoin ein Verlust einiger Währungseinheiten schwerwiegt und das ganze Währungssystem dieser Kryptowährung einschränkt. Sicher haben viele schon von Geschichten gehört, bei dem jemand unachtsam seine Festplatte weggeschmissen hat, nur um sich dann bei einem Preisanstieg von mehreren tausend Prozent in den letzten Jahren daran zu erinnern, dass einige Bitcoins auf der Festplatte waren und man mehrere Millionen Euro auf den Müll geschmissen hat. Die Dunkelziffer an Bitcoins, die unwiderbringlich verloren sind, liegt angeblich im zweistelligen Prozentbereich.

Der Bitcoin ist der Vorreiter der Kryptowährungen, wurde seit seiner Entstehung dutzende Male für tot erklärt und ist heute immer noch da und so wertvoll wie nie. Es mag mittlerweile technisch bessere Kryptowährungen geben, doch der Bitcoin hat sich in der Szene etabliert und sich seinen Platz hart erkämpft. Ohne den Bitcoin wäre die Blockchain-Welt nicht da, wo sie heute ist.

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