Montag, August 19, 2019

Der bisher größte Hype der Kryptowelt ist vorbei, die anschließende Regression hat die Leute wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeführt. Das All-Time-High von Bitcoin mit einem Spitzenwert von 17.000 Euro und auch die 1000 Euro Rekordmarke von Ethereum, sowie Höchstwerte bei dutzenden anderen Coins und Tokens sind durch eine Marktkorrektur wieder deutlich in Richtung Boden gesunken. In den letzten Tagen hat der Markt sich nach längerer Stagnation jedoch wieder etwas erholt und beispielsweise Bitcoin glänzt mit einem Plus von ca. 1000 Euro. Ein guter Zeitpunkt, sich den Markt als ganzes anzusehen und eine Momentaufnahme zu machen.

Immer noch am Anfang

Der Kryptowährungsmarkt und die Blockchain-Technologie als solche stehen immer noch ganz am Anfang. Das muss man sich bei einer generellen Betrachtung des Marktes als erstes bewusst machen. Das Bitcoin-Whitepaper erschien im Jahr 2008 und das ist gerade mal 10 Jahre her, ein sehr kurzer Zeitraum, angesichts des bisherigen Wachstums von Kryptowährungen.

Vom allerersten Vorstoß und den frühen technischen Spielereien, hat sich die Blockchain-Technologie aber bereits deutlich weiterentwickelt und zahlreiche Projekte hervorgebracht, die alle möglichen Anwendungsbereiche der Technologie in praktische Geschäftsmodelle umwandeln wollen.

Die technische Ebene

Das erste Anwendungsfeld der Blockchain-Technologie sind Kryptowährungen. Diese funktionieren bereits in der Praxis. Es ist möglich, gewisse Produkte und Dienstleistungen mit Kryptowährungen zu bezahlen, wobei Bitcoin als bekannteste Kryptowährung wohl die etablierteste Zahlungsmethode darstellt. Dieser Anwendungsbereich wird immer mehr ausgeweitet und viele Firmen arbeiten an weiteren Verbesserungen und Möglichkeiten der Integrierung in die reale Wirtschaft. Man könnte den Status als sehr frühe Beta-Version betrachten – bereits offen für Testzwecke zugänglich, aber noch lange kein fertiges Produkt.

Das wahre Potential der Blockchain-Technologie geht aber weit über reine Währungskonzepte hinaus. Mit der Blockchain ist die Tokenisierung so gut wie aller Vermögenswerte umsetzbar, was eine vollkommen neue Finanz-Infrastruktur erschaffen könnte, da sowohl der Zugang, als auch die verwalterischen Möglichkeiten und die Datenspeicherung enorm erweitert werden können.

Smart Contracts auf Blockchain-Basis weiten die Handlungsfelder in ungeahnte Dimensionen aus, da nicht nur neue, dezentrale Währungen geschaffen werden können, sondern alle Konzepte auf Daten- bzw. Informationsbasis, wie zum Beispiel Social Media Netzwerke, oder auch demokratische Strukturen als dezentrale Varianten umgesetzt werden könnten, ohne die Notwendigkeit einer zentral steuernden und verwaltenden Instanz. In der Praxis gibt es bereits viele Firmen und Projekte auf dieser Nutzungs-Ebene der Blockchain, die meisten sind jedoch auf einer extrem frühen, geradezu experimentellen Basis und die Blockchain-Technologie an sich wird zur Zeit noch in vielen verschiedenen Varianten getestet und ausgereift, um die optimale Umsetzungsart für solche dezentralen Konzepte heraus zu kristallisieren.

Wirtschaftliche und politische Ebene

Blockchain und Kryptowährungen sind keine internen Technik-Spielereien mehr, die von privaten Kreisen technikbegeisterter Insider gebastelt und ausprobiert werden, sondern sind in Form vieler spezialisierter Firmen und wirtschaftlicher Projekte in den professionellen Bereich übergewechselt. Das Jahr 2017 stand sehr stark im Zeichen von ICOs, in denen sehr viele Projekte genug Kapital von Investoren einsammeln konnten, um ihre jeweiligen Konzepte realisieren zu können. Das hohe Aufkommen neuer Firmen ist bei weitem noch nicht abgeflacht und die Zahl der ICOs ist weiterhin hoch, da weitere Anwendungsbereiche der Technologie erschlossen werden wollen.

Die erste Phase der „Professionalisierung“ könnte man bereits als abgeschlossen betrachten, die viele Firmen, die sich auf die Kernbereiche der neuen Technolgie spezialisiert haben, genug Kapital gesammelt haben und nun in der Aufbauphase ihrer jeweiligen Unternehmen sind. Die nächste Phase wird also die Bildung einer echten Blockchain-Industrie sein, in der die Firmen ihre Ideen in die Praxis umsetzen und erste vorzeigbare Ergebnisse zeigen müssen.

Gleichzeitig ist durch diese Professionalisierung und das damit einhergehende Wachstum des Marktes die Aufmerksamkeit der großen wirtschaftlichen und auch politischen Institutionen geweckt worden. Viele Regierungen haben damit begonnen, sich über Regulierungen der verschiedenen Kryptowährungen Gedanken zu machen. Die Phase der Professionalisierung und Strukturierung findet also nicht nur auf technischer und wirtschaftlicher Ebene statt, sondern auch auf der Gesetzes-Ebene.

Mediale Ebene

Während der Hochphase zwischen Dezember 2017 und Januar 2018, als der Kryptomarkt preislich explodiert ist, hat sich auch das Interesse der Medien an dem Themenfeld enorm verstärkt. Der inhaltliche Tenor ist allerdings größtenteils noch oberflächlich geblieben und hat sich im Detail nur auf den Bitcoin und dessen Kursschwankungen bezogen, sowie auf Verbote und Regulierungs-Drohungen, vor allem im asiatischen Raum. Der größte Teil der Thematik Blockchain und Kryptowährungen blieb in den etablierten, traditionellen Medien außen vor. Nach der Marktkorrektur ist das allgemeine Interesse wieder stark gesunken und die Berichte sind weniger geworden. Gleichzeitig ist die Art der Berichterstattung aber auch bei vielen Medienanbietern detaillierter geworden und die gesamte Blockchain-Szene wurde intensiver dargestellt und ein umfassenderes Bild wurde aufbereitet. Es ist zu erwarten, dass sich sowohl das Interesse, als auch die Art der Berichterstattung über das Thema mit dem nächsten Aufschwung weiter vertiefen werden und damit auch die Aufklärung der Gesellschaft über die neue Technologie vorangetrieben werden kann.

Welche zu beachtenden Aspekte ergeben sich anhand dieser Momentaufnahme?

Investment

Dadurch, dass die gesamte Technologie immer noch am Anfang steht, ergeben sich sehr viele potentiell gute Investmentmöglichkeiten, da weiterhin Firmen mit Konzepten zu weiteren Anwendungsmöglichkeiten hervortreten werden und die Investmentmöglichkeiten bei bereits vorhandenen Firmen anhand der Chance eines noch sehr stark wachsenden Marktes weiterhin sehr hoch sind.

Andererseits besteht durch die gerade erst stattfindende Professionalisierung des Marktes und den noch fehlenden Regulierungen immer noch die große Gefahr, auf Betrug hereinzufallen. Dadurch gilt ganz besonders, bei potentiellen Investments gut zu recherchieren.

Benutzbarkeit

Erste Anwendungen der Technologie sind auch für den Endnutzer bereits möglich, sollten allerdings nicht leichtfertig getätigt werden, sondern mit besonderer Sorgfalt, da die Technolgie sich noch in einem frühen Stadium befindet und Fehler nicht ausgeschlossen werden können, sowohl aus technischer Sicht, als auch wegen bisher fehlender Benutzerfreundlichkeit.

Trading

Durch die mediale Aufmerksamkeit und die Kursexplosionen scheint der Markt sehr groß geworden zu sein, doch in der Praxis ist er das, in Relation zu den traditionellen Märkten, bei weitem noch nicht. Daher gilt, sich ganz besonders vor Augen zu führen, dass die Märkte/Exchanges teilweise noch sehr niedrige Volumen haben und selbst An- und Verkäufe von wenigen tausend Euro teilweise starke Auswirkungen auf die Preise bei kleineren Börsen haben können.

Auch aus (Langzeit-) Investorensicht sollte man sich dessen ganz besonders bewusst sein und stärkeren Schwankungen des Preises bei der langfristigen Bewertung eines Projektes nicht zu viel Bedeutung beimessen.

Aufklärung

Ein großer Teil der Bevölkerung hat immer noch wenig bis gar keinen Kontakt zum Themenfeld Blockchain. Wenn man, so wie ich, der Meinung ist, dass diese Technologie zukunftsweisend ist und enorme Verbesserungen in wirtschaftlicher, politischer und gesellschaftlicher Sicht bringen könnte, sollte man sich nicht scheuen, dem eigenen Umfeld das Thema näher zu bringen.

Zukunftsaussicht

Die Regulierungen durch die Wirtschaft und die jeweiligen Staaten werden meiner Meinung nach einen enormen Einfluss auf den Kryptomarkt nehmen. Einigen Firmen werden diese Regulierungen sicher schaden, aber dem Wirtschaftszweig an sich wird es eine sehr viel bessere Eingliederung in die Weltwirtschaft ermöglichen und den Weg für weiteres Kapital, das in den Kryptomarkt einfließen kann, freimachen, sowohl von Privatleuten, als auch von großen Investoren. Wann und in welchem Ausmaß das passieren wird, kann niemand sagen. Es ist daher sehr wichtig, als Investor den Markt genau zu beobachten und sich weiter über das Thema Blockchain fortzubilden. Die Firmen, die in den letzten Monaten ihr Geld eingesammelt haben, sind nun am Zug und müssen bald erste Ergebnisse vorweisen. Daher wird das Jahr 2018 meiner Meinung nach besonders interessant, da sich eventuell die erste Spreu vom Weizen trennen könnte.

Anmerkung: Dieser Artikel beruht auf meinen Erfahrungen und meiner Einschätzung des Marktes und ist daher subjektiv. Ich empfehle, den Artikel als Denkanstoß zu nehmen, aber auch andere Perspektiven und Meinungen zum Thema zu betrachten, um ein möglichst diversifiziertes Bild zu erhalten.

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