Montag, Oktober 21, 2019

Die Savedroid AG hat in den letzten Tagen für einige Schlagzeilen in den Medien gesorgt, vor allem im negativen Sinn. Grund dafür ist ein ausgeführter PR-Stunt, in dem die Firma den Anschein eines Exit-Scams erweckt hat, also eine Inszenierung, sich mit den im ICO gesammelten Geldern der Investoren aus dem Staub zu machen. Und das wäre mit umgerechnet ca. 40 Millionen Euro eine enorme Summe gewesen.

Im Detail sah das wie folgt aus:

  • Die Website war nicht mehr aufrufbar
  • Die Social Media Kanäle, vor allem der Telegram-Kanal mit über 50.000 Mitgliedern, wurden nicht mehr moderiert und über einen Zeitraum von mehreren Stunden mit Werbung und dubiosen Links zugespamt, sodass eine normale Kommunikation nicht mehr möglich war.
  • Ein Youtuber, der zu den Büroräumen der Firma in Frankfurt gefahren ist, um vor Ort nachzusehen, wie die Lage ist, hat Bilder von verwaisten Räumen veröffentlicht.
  • CEO Yassin Hankir hat auf Twitter Bilder von sich gepostet, auf denen er erst am Flughafen in Frankfurt und dann am Strand in Ägypten mit einem Bier in der Hand zu sehen ist.

Mittlerweile wurde die Aktion seitens Savedroid aufgeklärt. Hintergrund der Aktion sollte laut Aussage des CEOs ein allgemeines Statement an die Krypto-Szene sein, das zu mehr Bedacht und Verantwortung in Sachen Krypto-Investments aufrufen soll. Im Interview mit gründerszene.de nimmt Hankir Stellung zu der Aktion seiner Firma und betont, dass „wir nämlich höhere Qualitätsstandards brauchen, um den Markt nachhaltig zu gestalten.“ Der durchgeführte PR-Stunt sollte genau dafür ein Bewusstsein schaffen, eine Botschaft auf herkömmlichen Wege sei nicht prägnant genug.

Aus den Reihen der Fintech-Branche und deutscher Krypto-Start-Ups, aber vor allem durch die privaten Anleger von Savedroid hat es massiv Kritik gehagelt und das Vorgehen hat eher allgemeines Unverständnis hervorgerufen, sowie das Vertrauen in Savedroid massiv erschüttert. Der CEO macht sich laut eigener Aussage jedoch keine Sorgen und ist sich sicher, dass „die langfristigen positiven Effekte überwiegen werden“.

 

Meine Meinung:

 

Die ursprüngliche App von Savedroid ist ein interessantes Konzept, hat sich jedoch anscheinend als nicht besonders profitabel erwiesen. Die Adaption des Konzeptes auf die Blockchain- und Kryptowährungsebene hat zwar einen potentiell echten Use Case, aber ob dieser wirklich profitabel ist und ob der Hauptgrund der eigentlichen Adaption wirklich eine Realisierung dieses Use Cases „um der Vision Willen“ war, oder ob hier nicht nur versucht wurde, durch ein ICO an mehr liquide Mittel zu kommen, um nicht unter zu gehen, sei hier mal dahin gestellt. Der Verlauf des ICOs, die sehr aggressive Werbekampagne und -Strategie, sowie der unerwartete Airdrop am Ende haben meine Meinung zu Savedroid vorher bereits in den eher negativen Bereich pendeln lassen. Dieser äußerst fragwürdige PR-Stunt trägt nicht unbedingt dazu bei, dass das Pendel in die andere Richtung schwingt.

Die Fragen, die ich mir stelle:

Warum muss man so einen PR-Stunt durchführen? Um des Statements willen? Oder vielleicht eher doch, weil man mehr Zeit für die Umsetzung des Projektes braucht. Zur Erinnerung: Ursprünglich sollte der SVD-Token direkt nach dem ICO auf einigen Exchanges gelistet werden. Jetzt hat der CEO im oben verlinkten Interview nebenbei fallen lassen, dass eine Listung erst in ca. drei Wochen stattfinden wird.

Was für weitere Gründe könnte diese Vorgehensweise haben? Wenn man nach dem Motto geht, dass jede Werbung gute Werbung ist, dann war der PR-Stunt sicherlich sehr erfolgreich. Sogar traditionelle Medien wie beispielsweise die FAZ oder N-TV, die das Thema Kryptowährungen sonst nur peripher anschneiden, haben über den Vorfall berichtet. Die erzürnten Gemüter der bereits investierten Anleger mal außen vor gelassen, hat sich der Bekanntheitsgrad von Savedroid also sicherlich massiv erhöht.

Die Aktion sollte deutlich machen, dass es viele faule Fische im Krypto-Wasser gibt und dass man bei einem potentiellen Investment immer vorsichtig sein soll und seine Hausaufgaben genau machen soll. So weit, so löblich. Angesichts der vielen oben genannten Argumente bekomme ich aber immer mehr den Eindruck, dass Savedroid selbst ein zumindest angefaulter Fisch ist, der eher das (anscheinend) dringend notwendige weitere Kapital im Auge hat und nicht wirklich nachhaltig für den Kryptomarkt gerüstet ist, weder durch die Teamarbeit und die angewendeten Marketingstrategien, noch durch die Erfolgswahrscheinlichkeit des eigentlichen Konzeptes der Firma.

Ich habe einen sehr geringen Betrag während des ICOs investiert, nicht als long-term-holding, sondern in der Hoffnung, durch den allgemeinen Hype, der durch die aggressive Marketingstrategie von Savedroid stark gepushed wurde, kurzfristig einen kleinen Gewinn mitzunehmen. Angesichts der Entwicklung des Projektes ist das jetzt wohl sehr viel unwahrscheinlicher geworden. Lehrgeld bezahlt.

Die von vielen Medien-Seiten geäußerte Sorge, dass die Aktion ein schlechtes Licht auf den generellen Krypto-Markt wirft und das Vertrauen und Interesse potentieller Anleger erschüttert hat, kommt ebenfalls noch hinzu, wird aber meiner Ansicht nach keinen wesentlichen Einfluss auf die langfristige Entwicklung des Marktes haben. Dafür ist Savedroid zu unwichtig, das Produkt viel zu unspektakulär.

Eine detaillierte Analyse zum Savedroid-Projekt von mir findet ihr hier.

 

 

 

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